Reisebericht Februar 2011

Die Toiletten sind nun fertig. Wir haben typische Bodentoiletten eingebaut. Sie sind hygienischer als unsere europäischen Pieselbecken und leichter zu reinigen. Kleine Handwaschbecken ermöglichen die Reinigung "danach".

Dafür fehlte nur noch der Wasseranschluss. Glücklicherweise haben wir eine Hauptleitung auf dem Grundstück. So wurden sämtliche Leitungen verlegt und letztendlich auch der Antrag bei den Wasserwerken gestellt und genehmigt.

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Das hat uns nur leider noch kein einziges Tröpfchen aus den neuen Wasserhähnen beschert. Die Wasserversorgung in Malindi lag nämlich schon seit Wochen lahm. Der Grund dafür lag einfach darin, dass die Wasserwerke wohl ihren Strom seit längerem nicht bezahlt hatten und der Energieversorger kurzerhand die Stromlieferung eingestellt hat. Kein Strom – keine Pumpen – kein Wasser, so einfach ist das in Afrika. Das führte auch dazu, dass ich regelmäßig mein Wasser aus dem Brunnen in Mtangani geschöpft habe und in Flaschen in meine Wohnung in der Stadt geschleppt habe. Für die Klospülung musste eben der Pool herhalten. So ist man immer beschäftigt und es kam keine Langeweile auf…

Ein „Malermeister Pinselstrich“ hat uns mit viel Geschick unser Logo und den Namen unseres Projektes an die Hauswand gepinselt. Sieht wirklich klasse aus. Unsere Sonne und unser Name sind nun für jeden schon von weitem sichtbar.

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Um das ganze Gelände abzusichern, hatte Mathias schon im Dezember einen großen Zaun gezogen. Um die letzte Lücke darin zu schließen, haben wir für die Zufahrt ein großes Tor eingesetzt. So ist zumindest der Verlockung, unsere Wasserleitungen anzuzapfen, vorgebeugt.

Unerfreulicherweise hatten wir auch dieses Mal wieder arg gegen die Unsitte zu kämpfen, dass ein weißes Gesicht gern mit vollen Geldbeuteln verwechselt wird. Diese Kämpfe kosten leider sehr viel meiner wertvollen Zeit und sorgen für reichlich Ärger. So macht man sich, trotz aller guten Absichten, nicht nur Freunde, wenn man die mühsam gesammelten Spenden konsequent nur in das Projekt investiert und die aufgehaltenen Hände leer ausgehen. Aber ich kann euch wieder versichern, wir haben nicht einen Euro verloren…

Natürlich war ich auch außerhalb von Mtangani wieder viel unterwegs. Die Wiedersehensfreude bei meinen Freunden in Ramada war wieder riesengroß. Grace war leider noch immer sehr krank und konnte in der Gesundheitsstation nicht mitarbeiten. So hatte Olaf alle Hände voll mit seinen Patienten zu tun und freute sich sichtlich über meine Excel-Kenntnisse, mit denen ich ihm zwei Tage lang seine Buchführung auf Vordermann gebracht habe. So konnte ich mich wenigstens etwas nützlich machen, denn mit meinen medizinischen Fähigkeiten sollte ich wohl besser nicht auf die Patienten losgelassen werden…Meine mitgebrachten Medikamentenspenden haben die dortige Apotheke etwas bereichert. Es waren wieder schöne und interessante Tage, die ich mit meinen Freunden in Ramada verbracht habe.

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Ali, das Patenkind der MDH in Kokotoni, ist leider im letzten Jahr ganz plötzlich verstorben. Ich hatte ihn ja jedes Jahr bei seiner Großmutter besucht und sein Tod hat mich sehr bewegt. Seine deutschen Pateneltern unterstützen nun ein Mädchen in Kokotoni. Sie heißt Raheli und ist 14 Jahre alt. Um sie kennen zu lernen und ihr mit einigen kleinen Spenden eine Freude zu machen, bin ich wieder nach Kokotoni gefahren und habe sie und ihre Mutti besucht. Raheli ist wirklich ein nettes aufgeschlossenes Mädchen und sie und ihre Mutti haben sich riesig über meinen Besuch und die kleinen Gaben gefreut. Wir hoffen sehr, dass sie die Kraft hat, gegen ihre heimtückische Krankheit (HIV) erfolgreich anzukämpfen.

Ein großes Problem sind nach wie vor die Schulgebühren, die es vielen Kindern aus armen Familien unmöglich macht, die Oberschule zu besuchen. So ging es auch Lucy, einem sehr netten und begabten Mädchen aus Mtangani. Ihre Eltern sind vor einigen Jahren an HIV verstorben. So wächst sie mit ihrer jüngeren Schwester bei der Großmutter auf und es reicht gerade für das Nötigste. Lucy hatte gerade die Grundschule mit sehr guten Ergebnissen abgeschlossen und eine Empfehlung für die Oberschule erhalten. Nur leider kann ihre Großmutter diese Kosten beim besten Willen nicht aufbringen.

Zu meiner großen Freude haben wir Pateneltern in Deutschland gefunden, die sich entschlossen haben, den Besuch der Oberschule für Lucy zu ermöglichen. Sofort sind wir mit Lucy und der langen Liste der Schule in die Stadt gefahren und haben alles Notwendige eingekauft. In kenyanischen Schulen sind Schuluniformen Pflicht. Das heißt auch, dass selbst die Freizeit- und Nachtkleidung vorgeschrieben sind. Die Liste mit Büchern und Lernmaterialien erschien mir endlos und die Ausstattung im Internat beginnt bei der Matratze und endet bei Waschschüssel und Moskitonetz. Dazu kamen die Schulgebühren und im Nu waren wir um 250,00 € ärmer. Für eine kenyanische Durchschnittsfamilie kaum aufzubringen, für Lucys Großmutter eine unmögliche Aufgabe. Wir sind den Pateneltern von Lucy unendlich dankbar. Am nächsten Tag haben wir sie dann nach Magarini in die Secondary school gebracht. Eigentlich wäre die Strecke von etwa 50 km kein Problem gewesen. Aber ausgerechnet an diesem Tag regnete es schon seit dem frühen Morgen und die Sandpiste entpuppte sich wieder zu einem mittelmäßigen Abenteuer. Obwohl wir ohne Allradantrieb unterwegs waren, sind wir mit einigen kleinen Hindernissen doch gut mit Lucy angekommen und wir sind auch heil wieder nach Malindi zurückgekehrt. Unser zweites Schulpatenkind Jimmy hat zwischenzeitlich die Schule wechseln müssen und sich in seiner neuen Schule auch gut eingelebt.

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Der Bengel hat mit seinen 17 Jahren leider noch sehr viele Flausen im Kopf. Da unterscheiden sich die Kids in Afrika kein bisschen von ihren europäischen Altersgenossen. Auf Wunsch seiner Eltern habe ich ihm ordentlich den Kopf gewaschen. Es ist ja doch immer etwas anderes, wenn da jemand anders mal ein Wörtchen mitredet. Ich hatte zumindest den Eindruck, dass er wieder auf dem richtigen Weg ist und das wurde mir dann auch von seinen Lehrern und dem Schulleiter bestätigt. Dafür glänzten seine vier Geschwister in der Malindi-Premier-School mit besten Ergebnissen. Es hat mich mit großer Freude erfüllt, wie sich die Kinder im letzten Jahr entwickelt haben. Der Schulbesuch für drei von ihnen ist nur durch die Schulpatenschaft für Jimmy möglich, denn mit dem eingesparten Geld für Jimmy kann der Vater sie nun auch auf diese wirklich gute Schule schicken. Die Malindi- Premier-School wurde übrigens gerade ausgezeichnet, weil sie die erste Schule ist, die Kinder bis auf die Universität in Nairobi gebracht hat.

Die kleine Melina, das Nesthäkchen der Familie, ist mit ihren zweieinhalb Jahren nun stolze Besucherin der Baby-class in dieser Schule. Es hat mich erstaunt, wie sehr die Kinder schon in diesem Alter gefordert werden. Oft habe ich sie von der Schule abgeholt und dann hat sie mit mir ihre Hausaufgaben gemacht. Da hieß es dann, einen Ball oder etwas anderes bunt auszumalen. Jede Aufgabe wird benotet und zwischendurch werden richtige Examen durchgeführt. Melina war dabei die Zweitbeste in ihrer Gruppe. Ich war mächtig stolz auf sie.

In Bomani, einem wirklich sehr abgelegenen Dorf etwa 50 km von Malindi entfernt im tiefen Busch, habe ich die örtliche Fußballmannschaft mit einem gespendeten echten roten Lederball beglückt. Solche "Maßnahmen" dienen nicht nur der Erheiterung, sondern tragen auch dazu bei, die Jungs von Drogen und anderen Gefahren fernzuhalten.

Mit einem gespendeten Rollstuhl konnte ich einer Bewohnerin in Mtangani helfen, bis sie hoffentlich bald wieder auf eigenen Beinen stehen kann. Danach wird er in unserer Gesundheitsstation für gehbehinderte Patienten zum Einsatz kommen.

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Herzlichen Dank an alle Spender, für die vielen Gaben, mit denen wir den Menschen in Kenya wieder eine große Hilfe sein konnten.

Mein großer Dank geht auch an Air Berlin, die all meine Spendenübergaben durch die Gewährung von kostenlosem Übergepäck ermöglicht hat.

 

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letzte Aktualisierung:
26.04.2018
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