Reisebericht Frühjahr 2019

Liebe Afrika-Freunde,

vor einigen Wochen bin ich aus dem sonnigen Kenya in den deutschen Frühling zurück gekommen. Im Folgenden nehme ich Euch mit auf eine kleine Reise durch fünf ereignisreiche Wochen.

In diesem Jahr hat mich Britta aus Falkensee begleitet. Für sie war es die erste Fernreise und sie hat sich vom ersten Tag an sehr wohl gefühlt. Die Familie von Mathias hat uns wieder herzlich und mit offenen Armen empfangen. Da störte es auch wenig, dass Britta wenig englisch spricht. Herzlichkeit und menschliche Wärme brauchen manchmal keine Sprache.

Wir sind dieses Mal über Amsterdam und Nairobi angereist. KLM gewährt sehr großzügiges Freigepäck, so dass wir über 100 kg Spendengüter mitnehmen konnten.



Gesundheitsstation

Unsere Gesundheitsstation wird alle drei Jahre vom Gesundheitsamt begutachtet. Das nahmen wir zum Anlass, einige witterungsbedingte Mängel zu beseitigen. Das feuchtwarme und salzige Klima nagt sehr am Material.

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Das Eingangstor, das an einigen Stellen völlig durchgerostet war, haben wir reparieren lassen und mit neuen Scharnieren lässt es sich auch wieder gut abschließen.

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Die Toilette hat eine neue Tür, die Abflüsse in den Räumen sind wieder dicht und der Außenanstrich wurde vorschriftsmäßig erneuert.

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Dr. Masha war sichtlich erfreut, dass das Gesundheitsamt nun keinen Anlass zu Beanstandungen hat.

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Patenkinder

An dieser Stelle bitten wir unsere Leserinnen und Leser um Verständnis, dass wir aus Datenschutzgründen keine Fotos und Namen unserer Patenkinder mehr im Internet veröffentlichen können. Auf Anfrage geben wir gern weitere Informationen über unsere Patenkinder weiter.

Unsere Patenkinder sind alle wohlauf. Etwas traurig war ich über den Entschluss von K.s Vater, seinen Sohn aus unserer Obhut und der Schule zu nehmen. Im Laufe der Jahre habe ich mich ja an die teils sehr merkwürdige Mentalität gewöhnt. Trotzdem werde ich nie verstehen, wie kurzsichtig viele Menschen dort denken. K.s Vater hat wohl erwartet, dass wir ihm neben dem Schulbesuch seines Sohnes auch die eigenen Taschen reichlich füllen. Schade für K., aber ich bin diese Denkweise einfach leid.

D. haben wir dieses Mal zu Hause in Marereni besucht. Sie lebt dort in einem einfachen Raum, kaum 8 qm, mit einer durchgelegenen Matratze auf dem Fußboden, eine Schnur quer durch den Raum dient als Kleiderschrank und ein kleiner Kohlekocher in der Ecke ersetzt die Küche. Sie ist ein sehr fröhliches Mädchen und die Schule macht ihr auch in der 10. Klasse weiterhin viel Spaß.

Mit einer neuen Matratze, einem kleinen Plastikstuhl- und Tisch und einem Moskitonetz konnten wir ihre Lebensumstände wenigstens ein kleines bisschen verbessern. Als sie die Sachen in Malindi abgeholt hat, stellte sich mir die Frage, wie sie das alles im Matatu nach Marereni transportieren kann. Doch schnell waren alle Sachen auf dem Dach des Kleinbusses mit Sisalschnüren festgezurrt. Manchmal sehe ich auch Probleme, die es hier gar nicht gibt…

Besonders stolz bin ich auf M., der wieder als Klassenbester die 11. Klasse der Oberschule in Nairobi besucht. Er ist sehr froh, dass er weit weg von den schlechten Einflüssen der Jugend in seinem Heimatdorf Mtangani ist. Wir haben M. wieder in Nairobi einen Überraschungsbesuch abgestattet. Obwohl Besuche außerhalb der Besuchstage in den Schulen nur ungern gesehen werden, gab der Schulleiter uns eine ganze gemeinsame Stunde. Ihr hättet seine glänzenden Augen sehen sollen, als er uns im Foyer erblickte. Unter dem Vorwand, er hätte etwas Unerlaubtes getan, wurde er aus dem Unterricht zitiert.
Nach seinem Abschluss Ende nächsten Jahres könnte er sich gut vorstellen, sich später mal mit Jura zu befassen, um dem Rechtsstaat ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Da hätte er sicher sehr viel zu tun… Für seinen Unterricht wäre ein Laptop sehr hilfreich. Meine Idee der preiswerteren gebrauchten Variante hat sich bereits in der Vergangenheit als problematisch erwiesen. Geräte aus zweiter Hand sind aus sicherer Quelle kaum zu erstehen. Meist wurden sie gestohlen und als Käufer kommt man schnell in Schwierigkeiten. Für einen neuen Laptop fehlen uns angesichts der immer schneller steigenden Schulgebühren im Augenblick leider die Mittel.

M. kam gerade von einem Ausflug ins Hochland, wo sie ein paar Tage mit den Scouts in freier Natur verbracht hat. Vergleichbar mit unseren Pfadfindern lernt sie mit Gleichgesinnten ein ausgeprägtes Sozialverhalten und bereist viele Orte ihres schönen Heimatlandes. Sie besucht jetzt die fünfte Klasse und wann immer ich sie gesehen habe, schwitzte sie über ihren Schulbüchern. Der Unterricht geht in der Woche bis 17:00 Uhr und der Abend ist mit vielen Hausaufgaben gefüllt. Soweit ich konnte, habe ich ihr dabei geholfen, so dass sie danach noch eine halbe Stunde am Abend für sich hatte.

Ihre kleine Schwester M.ist gerade sieben geworden und seit Januar stolzes Schulkind der ersten Klasse. Lesen, Schreiben und Rechnen hat sie schon in der Vorschule gelernt. M. ist ein richtiger kleiner Wirbelwind und hat immer irgendwelche Flausen im Kopf. Sie hält uns alle auf Trab.

Mit der kleinen Notlüge, Britta sei hier auch Lehrerin, durften wir in M.s Klasse mal ein halbes Stündchen am Unterricht teilnehmen. Seit eine windige „Hilfs“-Organisation mit Fotos von Schule und Kindern im Internet ihr Unwesen trieb, werden solche Aktionen von der Schulleitung normalerweise konsequent abgelehnt. Aber ich bin hier lange bekannt und für uns gab es nach kurzer Bitte eine Ausnahme. Wir durften dann im Suaheli-Unterricht unsere Sprachkenntnisse auch etwas erweitern…

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Unser Sorgenkind M. hat im Dezember die Oberschule mit mäßigem Erfolg abgeschlossen. Ihre langen, durch ihre Sichelzellenkrankheit bedingten Fehlzeiten, konnte sie trotz großen Fleißes nur wenig ausgleichen. Ein Computer-Kurs, den sie nach ihrem Schulabschluss besucht hat, hat ihr großes Interesse an Word, Excel und Co. geweckt. Nun möchte sie eine Ausbildung in ICT (Informations- und Kommunikationstechnologie) machen.
Da es in Kenya keine betrieblichen Ausbildungen in unserem Sinne gibt, haben wir nach einem passenden College für M.s Ausbildung gesucht. Auch sie möchte ihr Heimatdorf Mtangani mit dem problematischen Umfeld schnell verlassen. Bei ihren häufigen Krankheitsschüben benötigt sie allerdings sehr intensive Betreuung. In der Ferne sind die helfenden Hände der Eltern dann unerreichbar. Andererseits muss sie auch lernen, mit ihren 21 Jahren auf eigenen Füßen zu stehen. Ein schwer lösbarer Konflikt. Nachdem wir uns gemeinsam ein College in Mombasa mit dazugehörigem Studenten-Hostel angesehen haben, sind wir dann auf halber Strecke in Kilifi fündig geworden. Die Schule macht einen guten Eindruck und bietet auch ein Einstiegssemester an, mit dem vor der eigentlichen Ausbildung noch schulische Lücken aufgearbeitet werden. In der Nähe wohnen nahe Verwandte, die ihr im Notfall zur Seite stehen.

Hatten wir uns in der Vergangenheit ja eher um gestiegene Schulgebühren den Kopf gemacht, stehen wir nun vor ganz anderen Problemen… In den nächsten Jahren werden auch M. und D. in die Ausbildung gehen. Da haben wir es dann nicht nur mit Schulgebühren sondern auch mit den stark gestiegenen Lebenshaltungskosten zu tun.

S., die Tochter von G., hat vor einigen Jahren auch ein Studium in Nairobi absolviert. Gemeinsam haben wir uns tagelang mit der Kosten-Kalkulation beschäftigt. Das Hostel z.B. kostet 30 € monatlich, für Fahrgeld werden täglich 1 €, also auch knapp 30 € im Monat fällig.
So sind wir bei wirklich knapp bemessener Kalkulation auf Gesamtkosten für Schulgebühren, Unterkunft, Fahrgeld und Krankenversicherung sowie die Lebenshaltung auf 1.400 € für sechs Monate gekommen. Je nach ihrem Krankheitsverlauf müssen auch noch weitere Kosten für ihre medizinische Versorgung eingeplant werden. Die Krankenversicherung übernimmt leider nicht alle Kosten für Medikamente.

Da es langsam eng in unserer Kasse wird, können wir derzeit keine weiteren Patenkinder aufnehmen. Die zukünftigen Ausbildungskosten unserer jetzigen Kinder müssen gesichert sein. Sehr hilfreich wären uns Co-Patenschaften, mit denen die Kosten auf mehrere Schultern (Geldbeutel) verteilt werden können.


Brunnenprojekt

Unser Brunnenprojekt hat uns eine große Überraschung beschert. Mathias hat mit seiner Frau einen Kleinkredit über ein Dorfprojekt aufgenommen und unweit unseres zweiten Bohrlochs doch noch Süßwasser zutage gefördert. Bevor ich es glauben konnte, habe ich mich mit einer kleinen Wasserprobe selbst davon überzeugt. Es geschehen noch Zeichen und Wunder… Damit ist die Trinkwasser-Versorgung für die Landbevölkerung in Sabaki-Masheheni sehr viel sicherer und leichter geworden.

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Bisher wurde das Trinkwasser meist von Kindern mühselig aus dem Sabaki-Fluss gewonnen. Gerade in letzter Zeit gab es dabei immer wieder tödliche Zwischenfälle mit Flusspferden.

Der Klimawandel beschert den Menschen dort einen dauerhaften Kampf ums tägliche Überleben. Entweder die Regenzeit fällt völlig aus….

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…oder das Land versinkt samt Ernte wochenlang in den Fluten.

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Mit dem neu gewonnen Süßwasser ist es nun auch möglich, unabhängig von der Regenzeit eine Aussaat gedeihen zu lassen und den lebensnotwendigen Mais ganzjährig zu ernten. Auch die Vitaminversorgung mit Obst und Gemüse ist nun ganzjährig gesichert.

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Großflächige Landwirtschaft ist natürlich nicht mit der Gießkanne möglich. Deshalb haben wir das Projekt mit einer kleinen Solaranlage unterstützt. Auf diese Weise versorgt schon der Gemeinschaftsbrunnen in Mtangani sehr erfolgreich die Nachbarschaft von Mathias.

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Da die Batterien sicher untergebracht werden müssen, waren hier umfangreiche Baumaßnahmen erforderlich. Der 5000 Liter-Tank steht nun oben auf dem abgeschlossenen Raum und füllt sich automatisch auf, wenn der Wasserpegel eine bestimmte Grenze unterschreitet. Nun gibt es jederzeit sauberes Trinkwasser und niemand muss sich am Fluss der Gefahr durch Flusspferde und Krokodile aussetzen.

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Die Kinder in der Umgebung unseres Brunnens haben sich riesig über Kugelschreiber, Buntstifte und eine riesige Bonbontüte gefreut.

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Was wir darüber hinaus noch erlebt haben

Wenige Tage nach unserer Ankunft ist ganz plötzlich der Vater von Esther, Mathias‘ Frau, gestorben. Für Esther ein sehr schmerzlicher Verlust, denn schon vor vielen Jahren hatte sie ihre Mutter verloren. Wir haben natürlich versucht, ihr so gut es geht, zur Seite zu stehen.

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Auch bei der Beerdigung in Bomani, ihrem Heimatdorf, waren wir dabei.

Ihr Vater war bis zu seiner Pensionierung ein sehr anerkannter Lehrer an verschieden Oberschulen und genoss hohes Ansehen. Dementsprechend groß war auch die Trauergemeinde. Grob geschätzt waren es über 1.000 Leute, die in einer dreitägigen Zeremonie Abschied genommen haben. Viele Weggefährten aus der Lokalpolitik, der Kirche, ehemalige Kolleginnen und Kollegen, Freunde und Verwandte haben in langen Reden des Verstorbenen gedacht. Unterbrochen werden die Ansprachen immer wieder durch Musik und Tänze.

Kurz vor der Beisetzung tanzen die engsten weiblichen Angehörigen mehrmals um den Sarg bevor dieser dann ebenfalls unter lauten Gesängen zur ewigen Ruhe in die Erde hinabgelassen wird. Finanziert wird ein solches Großereignis durch Spenden der Trauergemeinde. Daran haben wir uns natürlich auch mit ein paar Säcken Reis und Bohnen beteiligt.

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Da Britta das erste Mal in Kenya war, sollte und wollte sie natürlich auch die beeindruckende Tierwelt Kenyas hautnah erleben. So haben wir die Rückreise von Nairobi mit einer zweitägigen Safari verbunden.

Hier die schönsten Momente:

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Der Bahnhof in Voi, mitten im Tsavo-Nationalpark

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Über das Wiedersehen mit meinen guten Freundinnen Margaret und Naima habe ich mich besonders gefreut:

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Die langjährigen Leser meiner Briefe erinnern sich sicher noch an das kleine Tawfiq-Hospital. Es hat mich sehr beeindruckt, was Ahmed mit seinen arabischen Freunden über die Jahre daraus gemacht hat:

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Und hier noch ein paar kleine Eindrücke meiner zweiten Heimatstadt Malindi:

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ein Bettengeschäft…

Mit dem massiven Rückgang des Tourismus in Malindi, die Gründe dafür sind vielfältig, begann auch der wirtschaftliche Abstieg der Stadt und seiner Bewohner. In der Blütezeit bis in die 90er Jahre konnte hier fast jeder seinen Lebensunterhalt in den zahlreichen Hotels, Restaurants und weiteren touristischen Einrichtungen erwirtschaften. Seit es fast keine Hotels mehr gibt und sich die wenigen Touristen an der Südküste tummeln, gingen praktisch sämtliche Arbeitsplätze und Wirtschaftszweige in Malindi verloren. Die sehr hohe Arbeitslosigkeit, ein fehlendes Sozialsystem und rasant steigende Preise nähren den Boden für Kriminalität. Wer nicht mehr weiß, wie er seine Kinder ernähren soll, ist hier zu allem bereit. Der Wachmann einer kleinen Tankstelle, mit dem ich mich am Tag zuvor noch unterhalten habe, wurde in der Nacht für einen Sack Maismehl und knapp 50 Euro ermordet…

Auch die Korruption macht den Menschen zunehmend das Leben schwer. Ohne kleine Extra-Gaben sind selbst Behördengänge selten erfolgreich.

Über die ebenfalls ständig steigenden Schulgebühren habe ich ja schon mehrfach ausführlich berichtet. Eine halbwegs vernünftige Oberschule verlangt mittlerweile zwischen 700 und 900 Euro jährlich nur an Gebühren. Dazu kommen Kosten für die vorgeschriebene Schuluniform, Bücher und Schulausflüge. Das ist für einen Familienvater ohne oder mit kleinem Einkommen beim besten Willen nicht aufzubringen. Die meisten Kinder, die hier eine private Schule besuchen, haben Sponsoren aus dem Ausland oder von reicheren Kenyanern. Die staatlichen Schulen sind zwar etwas günstiger, dafür drängeln sich bis zu 80 Kinder in einer Klasse ohne ausreichende Sitzbänke und ermöglichen kaum Lernerfolge.

Wiederholt erreicht uns die Bitte zur Übernahme einer Patenschaft für ein „eigenes“ Patenkind. Gern würden wir dieser Bitte nachkommen. Aber im Hinblick auf die zukünftigen finanziellen Verpflichtungen für die Ausbildungen unserer Kinder können wir leider keine weiteren Patenkinder aufnehmen. Es würde uns aber sehr helfen, wenn sich die Interessenten an einer bestehenden Patenschaft beteiligen würden und auf diese Weise die Berufsausbildung sicher stellen würden.

Allen, die uns mit kleinen und großen Beträgen bei unserer Arbeit unterstützen sagen wir ganz herzlichen Dank. Die weitere Finanzierung unserer Projekte ist auch zukünftig nur mit Eurer Hilfe möglich. Natürlich verwenden wir eure Spenden ausschließlich für unsere Projekte.

Für weitere Fragen könnt Ihr Euch jederzeit gern an mich wenden.

Es grüßt Euch ganz herzlich
Eure Gaby

 

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letzte Aktualisierung:
29.12.2019
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