Reisebericht März / April 2016

Liebe Afrika-Freunde,
jede Reise geht einmal zu Ende… viele Erwartungen haben sich erfüllt, manche leider nicht. Dieses Mal hat mich unsere neue Mitarbeiterin Britta auf vielen Wegen begleitet.

Da unser Brunnenwasser noch immer sehr salzhaltig ist und weder als Trinkwasser noch für die Bewässerung einer Ansaat geeignet ist, wollten wir versuchen, das Problem mit einer Weiterbohrung in tiefere Ebenen zu lösen. Das ist soweit auch ganz gut gelungen und wir sind tatsächlich auf Süßwasser gestoßen.

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Um nun das reine Wasser mit einer neuen Leitung aus dem vorhandenen Bohrloch zu ziehen, muss die alte Leitung herausgezogen und mit Zement verschlossen werden. Das hat leider nicht geklappt, die alte Leitung ist tief unten gerissen und kann nicht mehr aus dem Bohrloch gezogen werden. Es bleibt nun nur eine neue Bohrung, aber zumindest wissen wir, dass es tiefer da unten tatsächlich Süßwasser gibt.

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Solange müssen die Frauen weiterhin mit dem Salzwasser vorlieb nehmen bzw. das Trinkwasser aus dem Sabaki-Fluss gewinnen.

 

Für unsere Gesundheitsstation (Dispensary) in Mtangani hat sich nun auch eine dauerhafte Lösung gefunden. Nachdem die staatlichen Gesundheitsstellen weiterhin kein Interesse an einer Übernahme gezeigt haben, wird die Dispensary nun in privater Verantwortung geführt.

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Dr. Masha, ein pensionierter Arzt, der bisher eine staatliche Praxis in Malindi geführt hat, möchte auch weiterhin für seine Patienten zur Verfügung stehen. Er hatte sich mit der Bitte an uns gewandt, in unserer Gesundheitsstation weiter praktizieren zu dürfen.

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So haben wir ihm das Gebäude nach kleineren Schönheitsreparaturen zur Verfügung gestellt. Die monatlichen Mieteinnahmen werden für den Unterhalt und Reparaturen des Gebäudes verwendet. So konnten bereits mehrere undichte Wellblechplatten ausgetauscht werden. Die Regenzeit steht bevor und da sollte es drinnen besser trocken sein.

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Der Arzt hat einen sehr guten Ruf und ist weit über die Grenzen von Malindi hinaus bekannt. So kommen die Patienten teilweise von weit her und bleiben ihrem alten Hausarzt treu.

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Bei der Behandlung einiger Unpässlichkeiten in der Familie hat er auch mich von seinen Qualitäten überzeugt und alle schnell wieder auf die Beine gebracht. Einem ausführlichen Gespräch folgten eine eingehende Untersuchung und anschließend eine intensive Behandlung. Die Kosten lagen zwischen 4 € und 8 €, für einen Hausbesuch berechnet er 6 € extra. Das sind zivile Preise, auch wenn sie etwas höher liegen als in staatlichen Gesundheitseinrichtungen.

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Dafür verfügt er auch über umfangreichere Medikamentenvorräte und kann den Patienten eine wesentlich bessere Versorgung zukommen lassen.

 

In Kenya ist es üblich, mit einem Schild auf die Spender der Einrichtung hinzuweisen. Auch wir haben ein solches Schild an unserer Dispensary angebracht:

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Es macht uns wirklich froh, dass wir nun endlich unser Ziel erreicht haben und die Gesundheitsstation ihren geplanten Zweck erfüllt.

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Zu unseren Patenkindern

An dieser Stelle bitten wir unsere Leserinnen und Leser um Verständnis, dass wir aus Datenschutzgründen keine Fotos und Namen unserer Patenkinder mehr im Internet veröffentlichen können. Auf Anfrage geben wir gern weitere Informationen über unsere Patenkinder weiter.

K. ist mit seiner Epilepsie gut mit Medikamenten eingestellt und kommt im Unterricht gut mit. Die Medikamente kosten monatlich 15 €. Wie wichtig die regelmäßige Einnahme ist, wurde ihm klar, als er sie zwei Tage nicht genommen hatte und prompt einen schweren Anfall hatte. Seit dem achtet er sehr darauf, dass er immer genügend Vorrat in der Schule hat.

Für ihn und C. ist nun das letzte Schuljahr angebrochen. Auch C. hat sich etwas verbessern können und blickt ihrem Schulabschluss mit großer Hoffnung entgegen. Für die Abschluss-Examen der beiden waren bis Ende März die Anmeldegebühren in Höhe von je 65,00 € fällig. Ja, man bezahlt tatsächlich 65 €, damit das Kind seinen Schulabschluss machen kann….. Ich finde das unglaublich.

K. habe ich bei seiner Familie besucht. Weil er der einzige ist, der in die Schule gehen kann, bringt er auch seinen Geschwistern bei, was er gelernt hat. Er gehört zu den Besten in seiner Klasse und hat mir mit großem Stolz sein Zeugnis gezeigt.

Die Familie wohnt in einer sehr baufälligen Lehmhütte, die die nächste Regenzeit nicht überstehen wird. Also haben wir beschlossen, der Familie ein neues Lehmhaus zu organisieren. Für den kompletten Neubau werden wir dafür etwa 700 Euro aufwenden.

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Der Rohbau steht bereits und wird nun mit unserer Hilfe fertig gestellt. Damit das Haus etwas stabiler ist und noch einigen Regenzeiten standhält, werden die Ecken mit Zement verstärkt. So sichern wir der Familie für die nächsten Jahre ein Dach über den Köpfen.

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Besonders gefreut hat mich, dass es unserem Sorgenkind M. gesundheitlich recht gut ging. Sie ist jetzt 19 Jahre alt und hat entgegen aller Erwartungen sogar ihre Regelblutung bekommen. Für Sichelzellenkinder ein sehr gutes Zeichen. Wir sind guter Hoffnung, dass sie sich weiter gut entwickeln wird. Nachdem sie die 9. Klasse wegen häufiger Fehlzeiten wiederholen musste, ist sie nun in die 10. Klasse aufgestiegen und gibt sich redlich und erfolgreich Mühe, den Anschluss zu behalten. Weil sie sehr gerne liest, hatte ich ihr einige englische Bücher mitgenommen, über die sie sich riesig gefreut hat.

Auch M. geht weiter mit viel Freude zur Schule. Sie spricht schon sehr gut Englisch und hat mir mit großem Stolz einige Geschichten aus ihren Lesebüchern vorgelesen.

In ihrer alten Schule in Ribe hatte M. einige Probleme mit Mitschülerinnen. Deshalb ist sie nun zu K. und C. in die Progressive School in Kagombani gewechselt. Sie fühlt sich sehr wohl dort und hat schnell Anschluss an ihre Mitschüler und den Unterrichtsstoff gefunden. Sie ist sehr ehrgeizig und hat wieder einen guten Notendurchschnitt erreicht.

Dieses Mal hatten wir das Angebot einer neuen Patenschaft. Da wir die Nebenkosten (Schuluniform, Lernmittel, Gesundheitsversorgung) für ein weiteres Kind aus unserem Spendenaufkommen nicht mehr übernehmen können, haben wir uns für unser neues Patenkind D. auf die Übernahme der Schulgebühren geeinigt. Sie wird wie ihr Bruder Ende dieses Jahres die Grundschule abschließen. Die Eltern können jedoch nur einem Kind die teuren Oberschulgebühren finanzieren und haben sich, wie zu erwarten, für den Jungen entschieden. So sind wir sehr froh, dass wir auch D. ab 2017 den Besuch der Oberschule ermöglichen können.

Auch in diesem Jahr sind die Schulgebühren wieder gestiegen. Für das letzte Schuljahr in Kagombani zahlen wir fast 800 Euro reine Gebühren pro Kind, zzgl. der Prüfungsgebühren von je 65 Euro. Die weiteren Kosten für Schulmaterialien wie Bücher, Uniform etc. sind darin noch nicht enthalten. Wir sind also auf weitere Spenden angewiesen um diese umfangreichen Nebenkosten tragen zu können.

Und nun noch ein wenig privates

Meine Freundin Getrude hat mich dieses Mal mit ihrer Tochter Sabine besucht. Wir hatten mal etwas Zeit für ausgedehnte Gespräche und auch viel Spaß zusammen.

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An Ostern war ich mit Mathias und Esther zu einer Beerdigung in Kaloleni. Wir haben zwei Tage dort verbracht. Eine Beerdigung in Kenya wird ganz anders als bei uns zelebriert.

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Viele Reden und Ansprachen erinnern an den Verstorbenen, es wird getanzt, gesungen und auch viel gelacht. Je nach Religion wird auch ein ausgiebiger Gottesdienst gefeiert. Zu einem solchen Ereignis finden sich nicht selten viele hundert Menschen tagelang zusammen.

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Viel später, als geplant traten wir dann die Heimreise an. Die dreistündige Rückfahrt begann dann gleich mit einer Reifenpanne noch in Kaloleni. Die Fahrt über sandige Pisten bei völliger Dunkelheit war recht abenteuerlich und wir waren sehr froh, als wir die asphaltierte Küstenstraße endlich erreicht hatten.

Am Ostermontag habe ich die Familie dann zu einem Ausflug in ein nahegelgenes kleines Hotel mit Swimming-Pool eingeladen. Die Kinder haben sich riesig gefreut, mal wieder ausgiebig zu planschen. Auch für das leibliche Wohl wurde gesorgt.

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Dieses Mal habe ich auch wieder die Zeit gefunden, meine alten Freunde im Tawfiq-Hospital zu besuchen.
Es hat sich viel verändert dort. Der Neubau ist fast fertig. Es wird zukünftig auch eine Intensivstation und eine Krankenpflegeschule geben.

 

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Hier seht Ihr Grace, die hier als Kinder-Krankenschwester arbeitet. Sie versorgt die Allerkleinsten mit Schutzimpfungen und Vorsorgeuntersuchungen.

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Das ist Naima, die nun nicht mehr als Krankenschwester arbeitet. Sie erstellt jetzt die Abrechnungen bei Entlassung der Patienten.

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Das ist der Neubau kurz vor der Fertigstellung. Wer sich noch an das alte Gebäude erinnert, wird staunen, was aus diesem kleinen Krankenhaus geworden ist.

 

Erwähnenswert ist auch unser Besuch in der Behindertenwerkstatt von Bombolulu:

Hier finden mehr als einhundert Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen eine sinnvolle und bezahlte Beschäftigung in verschiedenen Bereichen. So gibt es eine Textilwerkstatt mit Druck und Schneiderei, eine Leder- und Metallwerkstatt, in der u.a. diverse Schmuckstücke und Taschen hergestellt werden. In der Gärtnerei gibt es viele verschiedene Pflanzen und Samen zu kaufen.

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Eine Holzschnitzerei bietet viele verschiedene Artikel wie Schmuck, Schlüsselanhänger und typische Tierschnitzereien für Souvenirmärkte an.

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Viele der hier hergestellten Produkte gehen in den Export in alle Welt. Aber auch umliegende Hotels zählen u.a. zu den zahlenden Kunden.

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Die Werkstätten wurden von vielen verschiedenen Hilfsorganisationen aus aller Welt gespendet.

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Zum guten Schluss sagen wir Euch allen, die uns diese Projekte möglich gemacht haben, unseren allerherzlichsten Dank.

Nur durch Eure Unterstützung können wir auch zukünftig den Menschen in Kenya das harte Leben etwas leichter machen. Dazu zählt in erster Linie eine gute Schulbildung, die unseren Patenkindern ein Leben ohne Hunger und bittere Armut ermöglichen kann und eine gesicherte Wasser- und Gesundheitsversorgung.

Auch den Neubau des Brunnens bis zum Süßwasser verfolgen wir weiter, denn nur mit Süßwasser können die Felder bestellt und die Ernährung der Menschen sicher gestellt werden.

Unsere Reisekosten tragen wir aus eigenen Mitteln, so dass Eure Spenden ungemindert in unsere Projekte fließen.

Wir wissen, dass auch hier viele Menschen gut rechnen müssen, um über die Runden zu kommen. Deshalb freuen wir uns auch über ganz viele kleine Beträge. Wer Interesse an der Übernahme einer Patenschaft hat, kann uns jederzeit gern ansprechen.

Allen, die uns weiterhin helfen möchten, unsere großen und kleinen Projekte zu verwirklichen ein kleiner Hinweis auf unser immer hungriges Spendenkonto:

IBAN: DE52 1605 0000 3825 0041 11
Empfänger: Kenya-Hilfe Berlin/Brandenburg

Euch allen wünschen wir einen baldigen sonnigen und vor allem gesunden Sommer.

Mit dankbaren und herzlichen Grüßen

Gaby Salim Malumbo und die Mitglieder der Kenya-Hilfe Berlin/Brandenburg e.V.

 

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letzte Aktualisierung:
26.04.2018
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