Reisebericht März / April 2015

Brunnenprojekt

Für die Verbesserung der Wasserversorgung der Landbevölkerung in Masheheni haben wir sechs weitere Wasseranschlüsse mit den entsprechenden Leitungen installiert. Dadurch werden die Wartezeiten für die Frauen erheblich verkürzt und sie haben nun von verschiedenen Seiten Zugang zum Wasser unseres Brunnens.

Das Wasser hat leider nicht die erhoffte Qualität erreicht und ist noch immer salzhaltig. Aber für den Haushalt, die Wäsche und die Bewässerung kann es gut verwendet werden. In Notzeiten wird auch das Brunnenwasser mit kleinen weißen Steinchen trinkbar gemacht. Diese Möglichkeit ist für die Frauen dort auch erschwinglich.

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Das Wasser wird zum ortsüblichen Preis von 3 Kenia-Shilling pro 20 Liter abgegeben. Aus den Einnahmen werden der Treibstoff und der Unterhalt für den Generator finanziert, um die Pumpe zu betreiben. Unser 3000 Liter-Tank wird etwa zwei- bis dreimal pro Woche aufgefüllt.

Anlässlich meines Besuches haben wir das Wasser auch zwei Tage kostenlos abgegeben. Das hat die Frauen sehr gefreut. Viele haben auch das Gespräch mit mir gesucht und die Gelegenheit genutzt, mir ihre weiteren Nöte vorzutragen.

In erster Linie erhoffen sie sich von uns eine Maismühle, um die nun sichergestellten Maisernten verarbeiten zu können. Bisher müssen sie den Mais von Hand reinigen, indem sie ihn in Holzschalen stampfen. Den gereinigten Mais transportieren sie dann in die Stadt zur nächsten Maismühle zum Mahlen und die fertigen Säcke müssen dann wieder nach Hause geschafft werden.
Moderne Maismühlen können beide Arbeitsschritte übernehmen und das beschwerliche Leben der Frauen erheblich erleichtern. Eine solche Maismühle kostet etwa 3.500 Euro.
Ich habe die Frauen erstmal vertröstet und zugesagt, dass ich mein Bestes geben werde…

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Unsere Gesundheitsstation in Mtangani konnte auf Dauer in eigener Verantwortung der Dorfgemeinde leider nicht fortgeführt werden.

Die Gründe dafür sind verschieden und haben sicher viel mit der Mentalität der Menschen dort zu tun. Nicht alles, was gut gemeint ist, kommt auch gut an.

Es gibt viel Neid und Missgunst untereinander und das Interesse am eigenen Vorteil steht leider immer wieder im Vordergrund. Eine Gemeinschaftseinrichtung, wie unsere Gesundheitsstation, ist unter diesen Voraussetzungen durch die Dorfgemeinschaft nur schwer zu führen.

Umso mehr hat es mich gefreut, dass der Counselor Interesse bekundet hat, die Station zu übernehmen. Er wird im August von der Regierung eine finanzielle Ausstattung für Gemeindeprojekte erhalten und möchte die Station damit übernehmen und weiter ausbauen. Es besteht also weiter Hoffnung, dass unsere Gesundheitsstation der Dorfbevölkerung doch noch hilfreich zur Verfügung stehen wird.

Zudem wurden mir noch aus Deutschland ein Krankenwagen und weitere medizinische Geräte angeboten, den wir dem dortigen Gesundheitsamt zur Verfügung stellen könnten. Hier laufen die Verhandlungen und kosten auf beiden Seiten viel Zeit. Auch deutsche Stellen sind nicht immer die schnellsten…

 

Schulpatenkinder

Von unseren Schul-Patenkindern gibt es auch viel Neues zu berichten. Gutes und weniger Gutes...

Ein großes Problem stellen die stark gestiegenen Schulgebühren dar. In den letzten vier Jahren sind die jährlichen Schulgebühren um etwa 200 Euro angestiegen. Die reinen Gebühren liegen z.B. in Kagombani bei ca. 750 Euro jährlich. Diese Kosten können wir aus unseren jährlichen “Patenschaftsgebühren“ von 600 Euro nicht mehr abdecken. Darin enthalten sind allerdings noch keine Schulmaterialien wie Bücher, Uniform etc. Es wird für uns zu einem zunehmenden Problem, die zusätzlichen Kosten aus den sonstigen Spendeneingängen zu tragen.

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Lucy hatte im Dezember 2014 die Oberschule mit mäßigem Erfolg abgeschlossen. Obwohl ihre Pateneltern ihr weitere Unterstützung auf ihrem beruflichen Weg zugesagt haben, war sie an einer anschließenden Ausbildung nicht interessiert. Das hat mich sehr enttäuscht, wenn ich bedenke, wieviele Jugendliche eine solche Chance gern hätten. Aus vergangenen Erfahrungen wissen wir, dass es wenig sinnvoll ist, jemanden zu seinem Glück zu zwingen. Wir hoffen sehr, dass sie ihren Weg noch finden wird und sie nicht, wie viele andere Mädchen in ihrem Alter, ihren Körper verkaufen wird. Aber wir haben wirklich alles versucht...

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Nun haben wir an ihrer Stelle mit Einverständnis der Pateneltern Mercy als neues Patenkind aufgenommen.
Mercy ist jetzt 15 Jahre alt und hat Ende 2014 die Grundschule mit einer Empfehlung für die National-School abgeschlossen. Die National-School ist eine staatliche Oberschule, die von der Regierung mitfinanziert wird und nur den Besten der Jahrgänge offen steht. Sie besucht nun die Ribe-National-School in der Nähe von Mombasa und hat das erste Term bereits mit einer guten Zwei abgeschlossen. Wir waren sehr stolz auf sie und denken, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Mercy ist eine Tochter unseres ehrenamtlichen Mitarbeiters Mathias, den die Paten auf diesem Wege für seinen unentgeltlichen Einsatz mit unterstützen möchten.
Wir sind ihnen sehr dankbar dafür.

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Mit den eingesparten Schulgebühren für Mercy kann Mathias nun seinen jüngeren Sohn Mike auch in eine Internatsschule schicken, damit er aus den problematischen Einflüssen der Dorfjugend heraus kommt. Viele Jugendliche im Dorf haben keine Schulbildung und durch intensiven Drogenkonsum versuchen sie der Perspektivlosigkeit zu entfliehen.

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Unser besonderes Sorgenkind Maria hat sich Dank unserer Hilfe in den letzten Monaten gesundheitlich gut entwickeln können und ist körperlich in recht guter Verfassung. Die bereits im letzten Jahr geplante Mandel-Operation konnte noch nicht durchgeführt werden, weil ihr stark geschwächter Allgemeinzustand ein zu großes Risiko dargestellt hat. Trotz allem halten die Ärzte diesen Eingriff für notwendig, um die häufigen Mandelinfektionen zukünftig zu vermeiden.

Sie leidet an der Sichelzellenkrankheit und bedarf einer intensiven Behandlung mit teuren Medikamenten, die ihr ohne unsere Unterstützung nicht zur Verfügung stehen würden. Ihre roten Blutkörperchen nehmen bei den häufigen akuten Krankheitsschüben eine sichelartige Form an. Dadurch kann das Blut nicht richtig fließen und die inneren Organe sowie die Knochen werden nicht mehr durchblutet. Diese Schübe sind sehr schmerzhaft und legen sie dann für Wochen lahm. Körperlich ist sie stark unterentwickelt und nicht belastbar. Viele “Sichelzellenkinder“ sterben schon in frühen Jahren, meist auch wegen mangelhafter medizinischer Versorgung.

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Von Oktober bis Dezember des vergangenen Jahres konnte sie aufgrund mehrerer Krankheitsschübe die Schule nicht besuchen. Wir haben sie im Januar von Kagombani nach Malindi umgeschult, damit sie im Krankheitsfall schneller versorgt werden kann. Dort wiederholt sie nun die 9. Klasse und versucht erfolgreich, das Versäumte aufzuholen.

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Sie ist jetzt 18 Jahre alt und befindet sich in einem für Mädchen sehr kritischen Alter. Der Körper kann sich durch die Krankheit nur schwer entwickeln und viele Mädchen überstehen diese Zeit nicht.
Im vergangenen Jahr bis heute haben wir für ihre erfolgreiche Behandlung fast 1.200 Euro ausgegeben und die kostenintensive Mandel-OP steht noch bevor.

Melina ist jetzt 7 Jahre alt und besucht die erste Klasse der Malindi Premier School. Sie lernt mit viel Freude, liest ganze Sätze in zwei Sprachen (englisch und suaheli) und rechnet bis einhundert. Wann immer ich sie besucht habe, hat sie mir aus ihrem Lesebuch eine Geschichte vorgelesen. Bei Geschichten aus dem Suaheli-Buch konnte ich dann meine Sprachkenntnisse auch gleich etwas aufbessern. Sie ist sehr aufgeweckt und versucht mit unzähligen  Fragen ihre Umwelt zu verstehen. Da ist es für ihre Eltern und mich manchmal eine echte Herausforderung, passende und für sie verständliche Antworten zu finden.

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Unser weiteres Sorgenkind Kazungu wurde in den letzten Monaten mit unserer Unterstützung umfangreich auf den Kopf gestellt. Das CT war Gott sei Dank unauffällig und der Verdacht einer Epilepsie konnte bisher nicht bestätigt werden.  Aber eingehende Blutuntersuchungen ergaben Hinweise auf akute Mangelerscheinungen. Nach intensiver Behandlung mit verschiedenen Medikamenten konnte er den Schulbesuch wieder aufnehmen. Trotzdem ist er in seinen mentalen Funktionen noch sehr eingeschränkt und kann dem Unterricht nur schwer folgen. Nach Abschluss der derzeitigen medikamentösen Behandlung sollen weitere Untersuchungen folgen. Er braucht sicher noch einige Zeit, bis er wieder bei vollen Kräften ist. Allein für Kazungus Untersuchungen und die Medikamente haben wir im vergangenen Jahr bis heute über 900 Euro aufgewendet.

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Unser Jüngster, Kalume, ist jetzt 9 Jahre alt und hat mich mit seinem ersten Zeugnis überrascht. Nur sehr gute Noten und in der Klasse an der Spitze. Er ist sehr stolz darauf, dass er nun regelmäßig zur Schule gehen kann und versucht, das Gelernte an seine Geschwister weiterzugeben. Aus meinen vollen Spendentaschen konnte ich der Familie auch noch einige Kleiderspenden und Schreibstifte übergeben. Sein Vater versucht, die Familie als Tagelöhner durchzubringen. Bei der derzeitigen Wirtschaftslage ist er damit meist hilflos überfordert, so dass er selbst das Geld für die Schuluniformen nicht aufbringen kann. Wir sind sehr froh, dass wir wenigstens einem seiner sieben Kinder den Schulbesuch ermöglichen können.

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Ein wenig besorgt sind wir über die Entwicklung von Christine, Lucys jüngerer Schwester. Sie ist jetzt 16 Jahre alt und besucht zusammen mit Kazungu die 10. Klasse der Secondary-School in Kagombani. Nach Aussagen ihrer Lehrer fehlt es ihr oft an der notwendigen Motivation. Das spiegelt sich auch in ihren Noten wider.
Wir haben in intensiven Gesprächen versucht herauszufinden, ob sie in der Schule ernsthafte Probleme hat. Aber mehr als ein Schulterzucken konnten wir ihr leider nicht entlocken. Natürlich haben wir Verständnis dafür, dass sie in diesem Alter sicher auch andere Interessen als die Schule hat. Nun werden wir versuchen, alles zu tun, damit sie nicht den gleichen Weg wie ihre Schwester Lucy wählt...

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Leider war die Zeit, die ich mit der Familie verbringen konnte, wieder viel zu kurz. Aber viele von euch erinnern sich sicher noch an die Geburt von Marly, bei der ich dabei sein konnte. Sie hat während meines Aufenthaltes ihren dritten Geburtstag gefeiert.

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Ein besonderes Erlebnis für die Kinder war der Planschtag im Pool meiner Wohnanlage. Mit Schwimmflügeln und –fisch ausgerüstet konnten sie sich unbeschwert im Kinderpool vergnügen.

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Von Esther, der Frau von unserem Mitarbeiter Mathias, habe ich gelernt, wie man die Blätter eines Baumes zu einem leckeren Abendessen verarbeitet. Sie zeigt und erklärt mir viel über die kenianischen Traditionen und Bräuche. Im Gegenzug sucht sie häufig auch meinen Rat… So lernen wir sehr viel voneinander und haben dabei auch jede Menge Spaß.

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Erfreulicherweise waren alle unsere Kinder gesund und munter, so dass sich meine Besuche im Tawfiq-Hospital auf ein Treffen mit meinen Freundinnen Grace und Naima beschränkten. Die beiden arbeiten dort als Krankenschwestern und haben mir stolz die neuesten Veränderungen gezeigt. Einige von Euch können sich sicher noch an frühere Fotos erinnern. Das alte Gebäude wurde vollständig abgerissen und wird nun durch einen kompletten Neubau ersetzt.

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Nun gab es wieder viel zu lesen und zu schauen…

Euch allen, die uns diese Projekte möglich gemacht haben, sage ich, auch im Namen der Menschen in Kenya, unseren allerherzlichsten Dank.

Unser Spendenkonto ist nun restlos geplündert.
Nicht ohne Grund habe ich darum auch versucht, Euch einen kleinen Einblick in
unsere finanzielle Situation zu geben.
Wenn wir auch zukünftig unseren Patenkindern und den Frauen in Masheheni hilfreich zur Seite stehen wollen, sind wir weiterhin dringend auf Eure Spenden angewiesen. Selbstverständlich trage ich die Reisekosten aus eigenen Mitteln, so dass Eure Spenden ungemindert in unsere Projekte fließen.
Auch viele ganz kleine Beträge helfen uns sehr weiter. Wir wissen, dass auch viele von uns gut rechnen müssen, um über die Runden zu kommen. 

Trotzdem erlaube ich mir, an dieser Stelle nochmals auf unsere Bankverbindung bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse aufmerksam zu machen:

IBAN: DE52 1605 0000 3825 0041 11
Empfänger: Kenya-Hilfe Berlin/Brandenburg

Euch allen wünschen wir einen sonnigen und vor allem gesunden Sommer.

Mit herzlichen Grüßen

Gaby Salim Malumbo und die Mitglieder der Kenya-Hilfe Berlin/Brandenburg e.V.

 

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letzte Aktualisierung:
01.04.2019
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